WanderingTrad @Wikimedia (CC BY-SA 4.0)
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Als sich Ende der Power Metal ab Ende der 90er-Jahre langsam erholte und wieder gefragter war, war eine Band zum genau richtigen Zeitpunkt zur Stelle: Sonata Arctica! Nachdem sie zuvor als Tricky Beans und später als Tricky Means eher mittelmäßig erfolgreich waren, schufen sie ab 1999 mit ihren ersten vier Alben ihr eigenes Denkmal. Kaum eine andere Band schaffte es zu diesem Zeitpunkt den Power Metal so innovativ und spannend weiterzuentwickeln. Doch bei dem keyboardlastigen, progressiv angehauchten Power Metal sollte es nicht bleiben: Die Finnen tobten sich stilistisch die letzten Jahre immer weiter aus, von Progressive Metal bis zum Acoustic Rock. Auf ihrem bisher letzten Album „Clear Cold Beyond“ kehrten sie zu dem Stil ihrer Anfangstage zurück, allerdings ist es ungewiss wie es ab jetzt weitergeht. Fakt ist aber: Die Truppe um Sänger Tony Kakko hat noch einige Ideen, die vertont werden wollen!
TOP 5 zum ersten Reinhören:
8th Commandment (1999, Ecliptica)
FullMoon (1999, Ecliptica)
The Cage (2003, Winterheart’s Guild)
Victoria’s Secret (2003, Winterheart’s Guild)
Ain’t Your Fairytale (2004, Reckoning Night)
Talviyö (2019) – 1,0/10: Reinfall!
Laut Tony Kakko markiert Talviyö den Beginn einer neuen Ära der Band. Prinzipiell vielversprechend, 2016 ging es mit The Ninth Hour auch wieder bergauf. Doch anstatt dieses Niveau zumindest zu halten, wurde mit Album Nummer zehn der Tiefpunkt der Band geschaffen. Das Cover gibt bereits den Vibe der Wolf-T-Shirts, die es auf jedem größeren Volksfest zu kaufen gibt. Entsprechend handzahm und zuweilen gar kitschig fallen auch die Lieder aus. Klar, Sonata Arctica standen nie für einen enormen Härtegrad, aber beim Hören bekommt man einfach das Bedürfnis, dass irgendwann mal in die Saiten oder Tasten gehauen wird, wie noch auf dem Debut. Aber weder schaffen die zahnlosen Stücke es irgendwann mal wirklich ergreifend zu klingen oder das geringste Bedürfnis nach Headbanging zu wecken. „Demon’s Cage“ ist zwar solide, aber wir wissen alle wie austauschbar dieses Stück im Endeffekt ist. Aus dem seichten Einheitsbrei sticht zumindest noch „The Garden“ heraus, bei sich die Band in folkige Klänge traute. Den Tiefpunkt markiert der bisher letzte Teil der Caleb-Saga mit dem Titel „The Last of the Lambs“ – ein schauderhaftes Rumgedümpel, das nie in Fahrt kommt.
TOP: –
Stones Grow Her Name (2012) – 1,3/10: Reinfall!
2012 gingen bei Sonata Arctica endgültig die Pferde durch. Tony Kakko sah sich wohl in der Tradition von Bands wie Dream Theater und verlieh seinen Songs eine deutlich progressivere Struktur. Die ganze Bandbreite der Lieder leidet darunter, dass zu viele Ideen in zu kurzer Zeit untergebracht werden, völlig unabhängig, ob es passt oder nicht. Das reicht von einem Piano-Intro über viel zu harte Tempiwechsel bis zum Bluegrass (!) im absoluten Extremfall. Zudem wird sich auf „Somewhere Closer to You“ erneut am Groove Metal orientiert und die Folkballade „Don’t Be Mean“ passt gar nicht zur Band. Während die Caleb-Saga der Band wunderbar funktioniert und sich ähnlich wie Iron Maidens Charlotte the Harlot in einzelnen Songs über mehrere Alben zieht, war der Versuch Wildfire (eigentlich vom Reckoning Night Album) um zwei weitere Parts zu erweitern recht verzweifelt. Fairerweise: Wildfire, Pt. III ist das Beste, was das Album zu bieten hat. Während es streckenweise recht poppig und handzahm zugeht, hat dieses Stück wieder sehr angenehme Härte und keine missglückten Experimente zu bieten
TOP: Wildfire, Pt. III – Wildfire, Town, Population: 0
Pariah’s Child (2014) – 4,2/10: Zwiespältig!
Angekündigt wurde Pariah’s Child als Fortsetzung der Alben nach Reckoning Night, was zwar rein stilistisch durchaus zu hören ist, allerdings qualitativ nicht an die erste Ära der Band anknüpft. Glücklicherweise sind die Progressive-Experimente auf diesem Album nicht mehr zu finden, aber dafür leider viel Durchschnitt. Dazwischen gibt es mit „Running Lights“ und „Take One Breath“ auch zwei Stücke, die sehr verkrampft klingen und so den Spaß am Hören mindern. „Blood“ geriet zu zahm, während „Half a Marathon Man“ einfach nur generischer Hard Rock mit viel zu langem Intro ist. Wer sich geduldet, wird allerdings belohnt: Mit „Cloud Factory“ gibt es heroischen Power Metal und „What Did You Do in the War, Dad?“ gehört zu den ergreifendsten Liedern der Band, und kommt ganz ohne Kitsch aus. Nach etwas solider Kost wird am Ende aber nochmal aus allen Rohren gefeuert: Der Zehn-Minüter „Larger Than Life“ nimmt sich seine nötige Zeit um die Prämisse und damit auch Spannung aufzubauen, bevor das Stück immer epischere Ausmaße annimmt. Ein großartiges Stück! Mit Sonata Arctica war also auch 2014 noch relevantes Material zu erwarten – wenn auch nicht ein ganzes Album am Stück.
TOP: Cloud Factory; What Did You Do in the War, Dad?; Larger Than Life
Unia (2007) – 4,5/10: Zwiespältig!
Unia markiert einen harten Wendepunkt in der Diskografie von Sonata Arctica. Zunächst wurde der Gitarrensound deutlich härter, während das Keyboard recht seicht darüber schneit. Große Keyboard-Soli sucht man hier vergebens. Allgemein ist der Power Metal-Bombast der ersten Alben hier deutlich abgeflacht und stattdessen wird sich dem damaligen Zeitgeist des Metalcore etwas angenähert – zumindest was die Gitarrenarbeit angeht. Auch aus Sicht der Qualität kann Unia nicht mehr ganz mithalten. Das erste Mal gibt es überwiegend Füllmaterial auf einem Sonata Arctica-Album. Mit dem harten Power Metal „In Black and White“, dem hymnischen „Paid in Full“ und dem symphonischen „Caleb“ gibt es zwar einige starke Stücke und nachdem „My Dream’s but a Drop of Fuel for a Nightmare“ seine volle Energie entfaltet hat, zündet auch es auch – aber das ist einfach zu wenig bei insgesamt zwölf Stücken. Der Rest ist entweder modern, mitunter poppig wie „It Won’t Fade“, „The Vice“ oder „The Harvest“ oder nur mittelmäßiger Power Metal wie „The Worlds Forgotten, The Words Forbidden“ oder „Fly with the Black Swan“. Unglücklich gerieten auch die Ballade „For the Sake of Revenge“ und der Klassikausflug „Good Enough Is Good Enough“. Beides ist technisch auf hohem Niveau – keine Frage. Aber für diese Genres ist einfach mehr emotionale Power von Nöten.
TOP: In Black and White; Paid in Full; Caleb; My Dream’s but a Drop of Fuel for a Nightmare
EPs (Alle Bester Stoff!)
Neben ihrem Output der Alben, gab es von Sonata Arctica auch einige EPs zum Promoten der eigentlichen Alben. Viele der Tracks sind auch auf den Alben zu finden, auf „Successor“ (2000) und Takatalvi“ (2003) finden sich, neben einigen Live-Aufnahmen, aber auch eigene Interpretationen von Still Loving You (Scorpions) und I Want Out (Helloween). „Orientation“ (2001) fällt etwas knapper aus mit einer Akustik-Version von Mary-Lou und den Coverversionen von The Wind Beneath My Wings (Bette Midler) und Die With Your Boots On (Iron Maiden). Zu Guter Letzt kam „Don’t Say a Word“ (2004) heraus, auf dem es neben dem erweiterten Titellied noch Versionen von World in My Eyes (Depeche Mode) und Two Minds, One Soul (Vanishing Point) gibt. Eine spannende Auswahl und auch hier gelingt das Spiel in eigenen Stil.
The Days of Grays (2009) – 6,2/10: Gelungen!
The Days of Grays ist ein sehr ambitioniertes Werk, das sieht man schon gleich an dem wunderschön gestalteten Cover. Doch so sehr man dieses Album auch mögen möchte, es gibt einfach zu viel Füllmaterial auf dem Album. Das ist wirklich schade, denn die wirklich guten Stücke des Albums können mit den Klassikern der ersten vier Alben durchaus mithalten. „Deathaura“ ist dafür das beste Beispiel: furios, abwechslungsreich und keine Sekunde zu kurz – was will man mehr? Die erste Single „The Last Amazing Grays“ lebt von dem Kontrast zwischen balladeskem Gesang und dem mitreißenden Instrumental, während die zweite Single „Flag In The Ground“ dem Abenteuerlichen eine düstere Note verleiht. Die Caleb-Saga der Band wurde mit „Juliet“ hochemotional fortgesetzt und mit „No Dream Can Heal a Broken Heart“ gab es einen spannenden Kontrast zwischen Power Metal und Folk-Elementen. Eigentlich Stoff für ein erstklassiges Album, doch zu diesen vielen wirklich starken Stücken kommen noch einige Wermutstropfen. Während „Breathing“ und „As If the World Wasn’t Ending“ noch als solide durchgehen können, fällt der Groove Metal-Verschnitt „Zeroes“ klar durch. „Everything Fades to Gray“ ist als Instrumental ein netter Einstieg in das Album, in der Vollversion klingt das Ganze aber eindeutig zu dünn. Die Akte X-Hymne „The Truth Is Out There“ ist zwar durchaus schlagkräftig, gleichzeitig aber auch ziemlich uninspiriert. Vom quirligen „The Dead Skin“ ganz zu schweigen. Zu schade, dass sich so viele Ausreißer nach unten hier finden, denn eigentlich will man dieses Album wirklich mögen.
TOP: Deathaura; The Last Amazing Grays; Flag In The Ground; Juliet; No Dream Can Heal a Broken Heart
The Ninth Hour (2016) – 7,2/10: Gelungen!
Die Taktik an die alten Erfolge anzuknüpfen wurde fortgesetzt. Erneut wurde die Klasse der ersten vier Alben nicht erreicht, aber The Ninth Hour ist ein durchaus respektables Album. Angefangen erstmal bei dem vielleicht besten Albencover, das die Band hervorgebracht hat. Was allerdings besonders erfreulich ist, ist das dieses Album einen nachdenklichen Ton hat, der sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. Zwar gibt es auch hier etwas Durchschnittsware, „Life“ geriet etwas zu zahm und „Closer To An Animal“ in zwei Versionen auf dem Album einzubringen ist etwas unnötig, aber abseits davon ist dieses Album wirklich stark. In „Fairytale“ geht es in hymnischer, aber kritischer Weise über die politische Lage in den USA. In „We Are What We Are“ (zugegeben ein etwas ungelenker Titel) wird es philosophisch und trotz aller Nachdenklichkeit auf dem Album wird es mit „Candle Lawns“ nochmal sehr hoffnungsvoll. Mit „Rise a Night“ werden aber auch die Fans der härteren Klänge glücklich gestimmt. Im Herzstück des Albums wird „White Pearl, Black Oceans“ vom Reckoning Nights-Album um einen zweiten Part erweitert. Erneut wird es maritim, über weite Strecken sehnsüchtig, an den richtigen Parts allerding auch durchaus härter. In diesem Fall hatte der zweite Part definitiv Sinn ergeben.
TOP: Fairytale; We Are What We Are; Rise a Night; Candle Lawns; White Pearl, Black Oceans, Pt. II
Clear Cold Beyond (2024) – 7,5/10: Bester Stoff!
Das Cover ließ erstmal nichts Gutes vermuten, liegt es doch ganz in der Tradition von Pariah’s Child und Talviyö. Doch tatsächlich kann Entwarnung gegeben werden. Wie angekündigt ist Clear Cold Beyond die Rückkehr zu dem Klang der der Frühphase der Band. Während die letzten Alben vom Härtegrad zwischenzeitig irgendwo zwischen Modern Talking und den Flippers angesiedelt waren, ging es hier endlich wieder mit frischen Riffs an der Gitarre und den Synthies zur Sache! Im Verhältnis zu den Frühwerken ist die Produktion moderner, was dem Album einen eigenen Charakter gibt. Dazu zählt auch ein etwas abenteuerlicher Klang, der vor allem auf „California“ und „A Monster Only You Can’t See“ zur Geltung kommt. „Shah Mat“ ist für Sonata Arctica besonders hart und wurde wie auch „Dark Empath“ mit einem kräftigen Chorgesang veredelt. Während „First in Line“ und das hymnische „Cure for Everything“ auf Tempo setzen, punktet der Titelsong mit einer besonderen Schwermütigkeit. Zugegeben, auf der zweiten Hälfte schwächelt das Album etwas, aber die Freude, dass das finnische Quintett endlich wieder auf dem rechten Pfad ist, überwiegt einfach. Das Warten hat sich gelohnt und die Spannung wie es mit der Band weitergeht steigt…
TOP: First in Line; California; Shah Mat; Cure for Everything; A Monster Only You Can’t See; Clear Cold Beyond
Silence (2001) – 7,7/10: Bester Stoff!
Silence ist ein starker Nachfolger zu Ecliptica, leider schmälern ein paar Entscheidungen der Band aber das Hörvergnügen. Zunächst aber die Stärken des Albums. Zunächst trauten sich Sonata Arctica endlich mehr dem Album ein Konzept zu geben und mittels Intros und Übergängen dem Album etwas Gesamtstruktur zu verleihen. Aber auch an Stand-Alone-Songs wurde erneut gedacht und mit „Black Sheep“, „San Sebastian“ und „Wolf and Raven“ einige energetische Klassiker abgeliefert. Neben der harten Kost gibt es aber auch erfrischend unkitschige Balladen wie „Last Drop Falls“ und besonders „Tallulah“. Auf Silence wird auch deutlich, dass es die Stärke der Band ist Balladen mit harten Parts zu verbinden, wie „The End Of This Chapter“ und „Sing In Silence“ beweisen. Bei all den starken Songs fallen „False News Travel Fast“ und „Land Of The Free“ etwas ab, während das Intro „Revontulet“ unfassbar nervig ausfällt. Der Elfminüter „The Power Of One“ ist zwar an sich ordentlich, aber leider hätte er für seine Länge mehr Bombast gebraucht, um spannend zu bleiben. Sieht man von den paar Fehltritten ab, steht das Album seinem Vorgänger bzw. Nachfolger allerdings in nichts nach, es ist nur leider eben etwas zu lang geraten.
TOP: Weballergy; The End Of This Chapter; Black Sheep; Last Drop Falls; San Sebastian; Sing In Silence; Tallulah; Wolf and Raven
Reckoning Night (2004) – 8,8/10: Bester Stoff!
Auch das vierte Werk weiß zu überzeugen und das bereits mit dem gewaltigen Plattencover! Die Musik fällt auch entsprechend sehr abenteuerlustig aus, an passenden Stellen auch mal balladesk, meistens aber eher locker. Daher macht die Scheibe über weite Strecken einfach Spaß und bleibt dennoch auf hohem musikalischem Niveau. Mit „Misplaced“ und „Ain’t Your Fairytale“ wurden zwei schnellere Klassiker geliefert, während „My Selene“ eher durch eine softere Art besticht. Mit „Wildfire“ ist auch wunderbarer Neoclassical Metal enthalten und mit „The Boy Who Wanted to Be a Real Puppet“ auch ein Stück, dass die Wagschale zwischen emotional und rockig perfekt hält. Neben den vielen starken Stücken fallen das seichte Instrumental „Reckoning Day, Reckoning Night…“ und das poppige „Blinded No More“ etwas ab, steuern aber auch zu einer stilistischen Vielfalt auf dem Album bei. Etwas unter dem Radar fliegen die ebenfalls guten Stücke „Don’t Say a Word“ und „White Pearl, Black Oceans…“. Beide Stücke halten sich zwar mit Härte zurück, zeigen aber eine hohe Willensstärke, die oftmals mit düsteren Klängen umgarnt wird. Vielseitig, aber dennoch homogen – genau wie ein Sonata Arctica-Album sein sollte!
TOP: Misplaced; Ain’t Your Fairytale; Don’t Say a Word; The Boy Who Wanted to Be a Real Puppet; My Selene; Wildfire; White Pearl, Black Oceans…
Ecliptica (1999) – 9,4/10: Meisterwerk!
Das Debut ist eine direkte Ansage an die Metal-Welt. Selbstbewusst, energetisch und mit einem gewissen Hang zum Pathos legten die Finnen mit ihrem ersten vollwertigen Studiowerk einen starken Grundstein für ihre Karriere. Mitunter geht es stilistisch in den Neoclassical Metal hinein, wenn auch nicht so häufig wie bei ihren Kollegen Stratovarius. Dafür aber leidenschaftlichen Power Metal mit außerordentlich starkem Gesang. Das sorgt dafür, dass auf dem Debut neue Klassiker in dem Genre geschaffen wurden wie „8th Commandment“ oder der Fanliebling „FullMoon“. Besonders gut gealtert, wegen der untypischen Thematik ist auch das heroisch anmutende „Blank File“, bei dem es um Datenschutz im Internet geht. Neben seinem Können mit härteren Klängen zeigt Sänger Tony Kakko aber auch sein Fingerspitzengefühl bei Balladen wie „Replica“ und „Letter To Dana“. Sehr emotional geladen, dabei aber authentisch. Emotional geladen ist dabei ein gutes Stichwort, denn die Band zeigt hier bereits ihre Bandbreite von nachdenklich-aufgewühlt („My Land“) bis fröhlich („Kingdom For A Heart“). Der krönende Abschluss dieses Albums ist das knapp acht Minuten lange Epos „Destruction Preventer“ bei dem Gesang und Instrumental nochmal zu Höchstleistung auflaufen und eines der besten, wenn auch nicht zwangsläufig einsteigerfreundlichsten Stücke der Band schaffen.
TOP: Blank File; My Land; 8th Commandment; Replica; Kingdom For A Heart; FullMoon; Letter To Dana; UnOpened; Destruction Preventer
Winterheart’s Guild (2003) – 9,9/10: Meisterwerk!
Auf dem Drittwerk viel die Produktion deutlich satter und damit moderner aus. Das harmoniert beachtlich gut mit dem bisherigen Stil und erweitert diesen, anstatt ihn zu ersetzen. Dass das Songwriting und das instrumentale Schaffen der Band auf höchstem Niveau sind, war 2003 selbstverständlich. Entgegen dem Cover geht es aber recht bodenständig voran und es wird sich nicht in Fantasywelten verirrt. Die mit Bombast geladenen Power Metal-Stücke wollen allesamt zünden. Sei es das in Harmonien gesungene „Abandoned, Pleased, Brainwashed, Exploited“, das mit genialen Keyboard-Arrangements versehene „The Cage“ oder das neoklassische „The Ruins Of My Life. Mit „Victoria’s Secret“ ist eines der unbestritten besten Lieder der Band enthalten, wenn nicht gar das Beste. Aber auch weniger bekannte Perlen sind enthalten: „Champange Bath“ ist ein aggressiver Gegenpol und „Broken“ ist mehr melancholischer Alternative Rock als Power Metal, funktioniert aber ebenfalls. Aber auch an emotionalen Balladen wird nicht gespart! Neben der Powerballade „Gravenimage“ punktet vor allem „The Misery“. Der Schlusstrack „Draw Me“ ist dann genau das Bindeglied zwischen rockig und gefühlvoll. 2003 sollten Sonata Arctica auf dem Metal-Thron sitzen, allerdings dieses hohe Niveau auch nie wieder erreichen.
TOP: Abandoned, Pleased, Brainwashed, Exploited; Gravenimage; The Cage; Silver Tongue; The Misery; Champange Bath; Broken; Draw Me
Sonata Arctica Live + Sampler
Zwar leidet der 2002er Mitschnitt „Songs of Silence – Live in Tokyo“ (Meisterwerk!) unter dem gleichen fürchterlichen Cover-Stil wie die Takatalvi-EP, allerdings ist das Album ein erstklassiger Mitschnitt der Frühphase der Band, der beweist, dass die Band auf der Bühne ähnlich energetisch war, wie im Studio. Auch wenn viele Bandklassiker erst später entstanden, bietet das Album eine großartige Songauswahl! 2006 wurde mit „For the Sake of Revenge“ (Gelungen!) ein schlagkräftiger, wenn auch nicht überragender Nachfolger veröffentlicht. Zwar sind deutlich mehr der bekannten Lieder vertreten, allerdings spielt die Band nicht ganz so furios wie auf dem ersten Livemitschnitt und Tony Kakkos Stimme klingt hier etwas ungewohnt rau. Das 2011er „Live in Fanland“ (Zwiespältig!) ist eher Dienst nach Vorschrift. Den Songs wird kaum neues Leben eingehaucht und neben vielen Klassikern, gibt es auch Stücke der umstrittenen Alben ab 2007. Sowohl „For the Sake of Revenge“ als auch „Live in Finland“ erschienen auch als DVD.
2022 erschienen die beiden Sampler „Acoustic Adventures – Volume One“ (Reinfall!) und „Acoustic Adventures – Volume Two“ (Reinfall!). Nachdem Sonata Arctica bereits auf Talviyö in den Verruf kamen zu seicht zu werden, wurde es hier auf die Spitze getrieben. Auf den beiden Samplern wurden Stücke der gesamten Schaffensphase so sehr ins Seichte umgeformt, dass es schon erschreckend dicht ins Easy Listening geht. Gruselig! Bleibt nur zu hoffen, dass uns ein „Acoustic Adventures – Volume Three“ erspart bleibt…
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